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Himmelsklang

Kurkonzert Nr 4 "Der Traum ist aus"

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"Der Traum ist aus" - so der Titel des Kurkonzertes Nr 4. Die kontrapunktische Verzahnung zweier Themen "Oh Welt, ich muss dich lassen" und die "Nationalhymne" Russlands in diesem Kurkonzert arbeitet die  traumatische (?) Bestürzung heraus, die dem Bruch aller Beziehungen zu Russland nach dessen Angriff auf die Ukraine folgte - natürlich in ironischer Manier. Es zeichnete sich mit der Besetzung der Krim ja schon lange ab, dass der russischen Regierung das Völkerrecht "schnuppe" ist. Nicht der Bundespräsident, sondern der Bundestagspräsident gibt unumwunden zu, wie sehr sich die deutsche Regierung etwas vorgemacht hat. Es liegt hier aber die bräsige Fassung des Bundespräsidenten vor. Zeit für eine "Kur".  (Link:  https://youtu.be/xZuBZHabnQ8 ) Die Kurkonzerte greifen Sätze von Politiker:innen auf, die in guten wie schlechtem Sinne typisch deutsche Egozentrik spiegeln. Sie folgen den Regeln politischer Ästhetik: Im alten Griechenland war

Was ist ein "gutes" Leben?

 Im 8. Jhdt. v. Chr. begegnet uns  bei Homer der "gute" Mensch - aner agathos. "Gut" ist dort in einem funktionalen Sinne gemeint - der gute Krieger, der gute König - diese Personen übaufen ihre Potentialität in einem guten (s. schlechten) Sinne aus. Spitz gesagt sind sie nichts anderes als ein "gutes" Messer, das seine Schneidefunktion optimal ausführt. Aber in den griechischen Stadtstaaten kam die Frage auf, was ein "guter" Mensch ist im moralischen Sinne. "Mutter Theresa war ein guter Mensch" - diese Aussage beschreibt nicht mehr die Funktion von Mutter Theresa, sondern will eine umfassendere Aussage über ihr Wesen fällen  In diesem moralischen Sinn wird das Wort "gut" in einer absoluten Bedeutung verwendet; es beschreibt eine Eigenschaft, die unabhängig vom Kontext ist. "Es ist gut zu atmen" - diese Aussage gilt nicht für uns auf einem sauerstoffarmen Planeten. Aber Mutter Theresa ist ein guter Mensch, egal, ob s

Erzählung: Der Fremde (1 / 1

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  1) Der Priester (Mittenwald-Grenze) Der Priester sitzt im Zugabteil am Fenster, aber so, dass er auf dem Sitz kniend auf den Fersen hockt . Er greift das baumwollseidene Tuch mit der rechten Hand, und mit der linken hebt er die Klangschale an. E r stellt diese auf seine Knie und beginnt sie umsichtig zu polieren. Dabei blickt er hin und wieder zu dem Fremden und mustert ihn, scheinbar gleichgültig, und doch auch intensiv. Der Fremde räuspert sich, sagt dann: „ Das Nembutsu-Sagen, darum geht es mir. Danach wollte ich fragen.“ „ Nembutsu“ antwortet der Priester, sinnend, wie leicht geistesabwesend. „ Nembutsu…“ Er stellt die Klangschale an seine Seite und greift einen messingfarbenen Kerzenhal­ter. Wieder beginnt er mit der Arbeit des Polierens. „ Ne mbu tsu… “ Der Priester schaut den Fremden nachdenklich an. Er konnte dessen Alter nicht ein­schätzen. Der modische Anzug, den er trug, war sicher zeitgemäß, passte aber irgend­wie nicht zu ihm, als wenn einfach zwei verschiedene We