Was ist ein "gutes" Leben?

 Im 8. Jhdt. v. Chr. begegnet uns  bei Homer der "gute" Mensch - aner agathos. "Gut" ist dort in einem funktionalen Sinne gemeint - der gute Krieger, der gute König - diese Personen übaufen ihre Potentialität in einem guten (s. schlechten) Sinne aus. Spitz gesagt sind sie nichts anderes als ein "gutes" Messer, das seine Schneidefunktion optimal ausführt.

Aber in den griechischen Stadtstaaten kam die Frage auf, was ein "guter" Mensch ist im moralischen Sinne. "Mutter Theresa war ein guter Mensch" - diese Aussage beschreibt nicht mehr die Funktion von Mutter Theresa, sondern will eine umfassendere Aussage über ihr Wesen fällen  In diesem moralischen Sinn wird das Wort "gut" in einer absoluten Bedeutung verwendet; es beschreibt eine Eigenschaft, die unabhängig vom Kontext ist.

"Es ist gut zu atmen" - diese Aussage gilt nicht für uns auf einem sauerstoffarmen Planeten. Aber Mutter Theresa ist ein guter Mensch, egal, ob sie hier auf der Erde oder auf einem anderen Planeten gewirkt hätte.

Fragen wie "Was ist das Gute? Was ist Tapferkeit? Was ist Gerechtigkeit?" sind do die Geburtsfragen der Ethik. Diffiziler gestellt: "Was kehrt sich das Gute ins Schlechte? Wann das Schlechte ins Gute? Wann wird Tapferkeit zur Grausamkeit? Wo führt Gerechtigkeit zur Ungerechtigkeit?" unter klaren, nicht hinterfragbaren Bedingungen - solche Fragen werfen einen ersten Blick auf die Probleme, die Ethik anzugehen und zu lösen sucht. Prämisse ist: Als Menschen leben wir nicht unter nicht hinterfragbaren Bedingungen- dann wäre keine Ethik nötig. Sondern wir leben in Doppeldeutigkeiten, Ambiguitäten und Handlungsalternativen, und das macht Ethik nötig.

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